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Musicals: Aida Die drei Musketiere Die letzten fünf Jahre Die Päpstin
  High Fidelity Tarzan Wicked -
die Hexen von Oz
 

 

Galas: Aspects of Webber Ich gehör nur mir
- die Musicals von Kunze und Levay -
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"Malerei verwandelt den Raum in Zeit, Musik die Zeit in Raum."
Hugo von Hofmannsthal (1874-1929, österreichischer Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist)

Musicals

Aida
Text: Tim Rice
Musik: Elton John
Uraufführung: 23. März 2000 New York, Broadway, Palace Theatre
Deutsche Erstaufführung: 5. Oktober 2003 Essen, Colosseum Theater
Deutsche Texte: Michael Kunze

Die Handlung orientiert sich lose an der Oper Aida von Verdi aus dem Jahre 1869.
Es ist eine Drecksgeschichte die in Ägypten spielt. Hauptpersonen sind Amneris, Radames und Aida…
Amneris ist die zukünftige Pharaonin des Landes, die den ägyptische Feldherren Radames seit Kindertagen kennt und mit diesem die Ehe eingehen soll. Sie zeigt in der Geschichte eine Verwandlung von der oberflächlichen, selbstverliebten, verwöhnten Prinzessin zur verantwortungsbewussten, feinfühligen und warmherzigen liebenden Frau. Eine sehr starke Rolle, die im ersten Akt sehr viele komödiantische Aspekte hat und das Publikum oft zum Lachen hinreißt.
Radames, ein gefürchteter Feldherr, dessen Leidenschaft ist ferne Länder zu bereisen und zu unterwerfen…und mit Waren und neuen Sklaven im Triumph zurückzukehren…
Auch er vollzieht eine starke innere Wandlung. Am Anfang unbeugsam und arrogant, lernt er durch die selbstbewusste neue Sklavin Aida (die in Wirklichkeit eine nubische Prinzessin ist), was das Wort Freiheit, Gerechtigkeit und hingebungsvolle Liebe bedeutet…und er erkennt Träume und Gefühle in sich, derer er sich bisher nicht bewusst war. Durch seine wachsende Liebe zu Aida ist er nicht mehr bereit sich unterzuordnen und Amneris zu heiraten.
Aida, die stolze nubische Prinzessin, eine gleichwertig starke Rolle wie Amneris…ebenso eine warmherzige, kämpferische Frau, die bereit ist die große Liebe ihres Lebens für die Befreiung der gefangenen Nubier, darunter ihr Vater, zu opfern. Auch wenn sie daran zerbricht , will sie ihrem Vater, dem König, und dem Land dienen…ihr Vater droht ihr, sie sei nicht mehr seine Tochter, wenn sie sich in einen der Feinde verliebt. Sie ist gezwungen sich zu entscheiden.
Weitere wichtige Personen sind:
Zoser (Ratgeber des Pharaos), der scheinbare Adoptivvater Radames, dem alle Mittel recht sind Radames auf den Thron zu bringen, auch die langsame Vergiftung von Amneris Vater durch Arsen. Auch hier entwickelt sich ein unauslöschlicher Konflikt, als Radames erkennen muss, dass Zoser sein wirklicher Vater ist und seine Mutter eine Hure in einem Bordell war, die von diesem schmächlich im Stich gelassen wurde. Zoser argumentiert, er habe sich zwischen der Liebe und der Karriere entscheiden müssen.
Mereb, der junge gutgelaunte Nubier, der einige Jahre schon in den Diensten Radames steht und erstaunt und entsetzt Aida wieder erkennt…er wird von ihr zum Stillschweigen verpflichtet. Am Ende, als Aida mit den Gefangenen flieht und heftige Kämpfe entbrennen stirbt Mereb.

Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt am Tage der Hochzeit. Aida hat Radames ein letztes Mal gesprochen und ihm die Aussichtlosigkeit ihrer Liebe verdeutlicht. Sie nimmt ihm das Versprechen ab, Amneris doch zu heiraten. Während der Feierlichkeiten will sie die Gefangenen mit der Hilfe Merebs freilassen, auf ein Schiff fliehen und entkommen. Radames hatte ihr eine Kette mit einem Anhänger geschenkt, der ihr gestattet sich überall frei zu bewegen.
Als dann die Flucht entdeckt wird, muss sich Radames entscheiden, auf wessen Seite er steht und begeht Hochverrat.
Amneris Vater, vom Tode gezeichnet, noch Pharao des Landes, verurteilt Radames und Aida zum Tode. Es gibt bei einem solchen Verbrechen nicht die Möglichkeit der Gnade. Amneris, die den Schmerz kaum ertragen kann, die beiden Menschen sterben zu lassen, die ihr am meisten bedeuten, gelingt es zu bewirken, dass die beiden Liebenden zusammen sterben. Ihr Vater fühlt den Tod nahen und Amneris als zukünftige Herrscherin verkündet mit gefasster Stimme und Tränen in den Augen den Urteilsspruch. Radames und Aida werden in der Pyramide ihres Vaters in einem Raum lebendig eingemauert.
Beide schwören sich in ihrem dunklen Verließ ewige Liebe und dass sie sich in einem anderen Leben wieder finden. Und so geschieht es…die Kulisse wandelt sich und wir sehen wieder die Räumlichkeiten des Museums, in dem ägyptische Exponate ausgestellt sind…In der Besuchergruppe befinden sich zwei Menschen, die sich „zufällig“ an diesem Ort begegnen…

Ein sehr schönes Stück, romantisch und voller Tragik…man reibt sich so manche Träne aus den Augenwinkeln, dazu eingängige Musikstücke unterschiedlicher Stilrichtungen…gospelartige Chorgesänge, Balladen, fetzige Popsongs, Soul…
Wir sahen die Open-Air-Aufführung in Tecklenburg mit hervorragenden Darstellern…Patrick Stanke als Radames, Willemijn Verkaik als Amneris und Zodwa Zelele als Aida.
Sehr empfehlenswert.

 

Die drei Musketiere
Text und Music: Rob und Ferdi Bolland, einige Songtexte auch von anderen Songschreibern.
Uraufführung: 2003 in Rotterdam
Deutschlandpremiere: 12. November 2006 Stuttgart, Apollo Theater


Der Roman „Les Mémoires de d’Artagnan“ (D’Artagnans Erinnerungen) von Alexandre Dumas diente als Vorlage. Wer wie ich Mantel- und Degenfilme liebt, wird diese Aufführung genießen.
Die Handlung spielt in Frankreich 1626.
Wie im Roman wird die Geschichte des jungen D’Artagnan erzählt, der nach Paris aufbricht um wie einst sein Vater, ein Musketier zu werden.
In seinem Überschwang gerät er direkt mit Aramis, Porthos und Athos aneinander und wird am nächsten Tag, an dem er sich nacheinander mit den dreien duellieren muss, direkt in einen Kampf mit den Schergen Richelieus verwickelt und so kommt man sich näher.
Im Zuge der Ereignisse lernt er seine große Liebe Constance kennen und wird zur letzten Rettung für die Königin, in dem er unter immensem Zeitdruck im stärksten Sturm nach England fährt, um ein Collier von Lord Buckingham zurückzuholen. Sie hatte es, durch eine Intrige verleitet, zur Verhinderung eines Krieges an Buckingham, ihrer vergangenen Liebe ausgehändigt. Nun soll sein Fehlen ihre Untreue beweisen.
Richelieu fürchtet einen wachsenden Einfluss von ihr auf König Ludwig XIII, den er so auf seine Seite ziehen will. Der machthungrige Kardinal ist besessen davon die protestantischen Hugenotten, die von England unterstützt werden, zu vernichten und fühlt sich als Werkzeug Gottes. Er erhält Unterstützung von Milady de Winter, die sich erhofft als Gegenleistung von dem eingebrannten Makel der Lilie befreit zu werden. Dieses Stigma kennzeichnet sie als Hure und Diebin. Eine tiefe seelische Wunde, die sie mit sich trägt seit sie als junges, unschuldiges Mädchen von einem Priester missbraucht wurde…
D’Artagnan schafft es rechtzeitig zum Empfang wieder zurück zu sein…
Jedoch verliert er seine große Liebe, die von Milady de Winter als Druckmittel gefangen genommen wird und die sie aus Rachsucht und Neid tötet. Als sie D’Artagnan die Schatulle mit dem Collier entwendet gibt sie, bevor sie ihn niederschlägt, siegessicher (allerdings hatte d'Artagnan das Collier der Schatulle entnommen) den Aufenthaltsort von Constance preis. Aramis, Athos und Porthos finden ihn und machen sich direkt auf den Weg. Die Freunde finden Constance tot vor, ergreifen Milady und halten Gericht über sie. Athos, den eine tragische Liebe mit ihr verbindet, kennt die tiefe Verletzung, die sie dazu gezwungen hat so zu werden, wie sie ist…und doch urteilt er mit den anderen „schuldig“. Und so stürzt sich Lady de Winter in der Stuttgarter Inszenierung von einem Turm in den Tod.
Das Musical hat keine ausgefeilte beeindruckende Lyrik. Es ist Potential in der Ausarbeitung der Charaktere vorhanden und man lässt sich während des Stücks gefangen nehmen von der Abenteuer-Stimmung und den vielfältigen Beziehungen zwischen den Personen. Sehr beeindruckend und ausdrucksstark ist der Part der Milady de Winter und des Kardinals Richelieu. Sie sind die Charaktere des Stücks, die Tiefe hineinbringen und sehr vielschichtig sind. Alleine die Soli des Kardinals „Nicht aus Stein“ und „Glaubt mir!“ gehen unter die Haut…wenn sie authentisch, leidenschaftlich gelebt werden.
Die junge d'Artagnan bringt in seiner Naivität, seinem Schwung und seinem unbändigen Wunsch für Gerechtigkeit zu kämpfen Leichtigkeit in das Stück. Schon in seinem ersten Auftritt "Heut' ist der Tag" hat er alle Sympathien auf seiner Seite.
Überwältigend sind immer die Fechtszenen, die immense Koordination und Konzentration von der Cast erfordern. Man hat Mikrofone an den Degen befestigt, was eine unglaubliche Wirkung hat…
Tecklenburg verpflichtete Malcolm Ranson, den Fight Director der Royal Shakespiere Company aus London. Die Kampfszenen sollten noch anspruchsvoller sein als in den vergangenen Inszenierungen. So erweiterten auch die verschiedenen Zugänge der Bühne noch einmal die Möglichkeiten.
2010 wurde das Stück zum ersten Mal auf einer Freilichtbühne aufgeführt. Tecklenburg ist das führende Freilichttheater schlechthin. Man hatte zum großen Teil die Erstbesetzung von Stuttgart gecastet, wobei Marc Clear, der die Rolle des Athos übernahm, gleichzeitig Regie führte.
Er hatte einige Szenen verändert und ein wichtiges Anliegen war für ihn, die Persönlichkeitsentwicklung, das, was in den Figuren des Stücks vorgeht, deutlicher zu machen, was allgemein als eine Aufwertung des Stückes erlebt wird. Yngve Gasoy Romdal (Kardinal) und Femke Soetenga (Lady de Winter) wurden ihren Rollen mehr als gerecht und begeisterten mit ihrer Leidenschaft das Publikum.

Wir haben die vorletzte Vorstellung am 21. August besucht und können nur zustimmen. Marc Clear hatte sich selbst übertroffen. Seine Änderungen in den Dialogen, seine ganz eigene Umsetzung einzelner Szenen hatte wirklich mehr Tiefe in die Charaktere gebracht...Thomas Hohler war brillant, er lebte seine Rolle, stimmlich und schauspielerisch perfekt, seine Trauer und Ergriffenheit zog uns mit. Marc Clear gab auch Athos mehr Raum, die Beziehung zu Milady de Winter bekam mehr Dramatik...sie stürzte sich am Ende in ein Messer, das Athos ihr reichen wollte...und so wurde sein tiefer Schmerz, seine Trauer einer der großen tragischen Momente, die berührten...
Die Kämpfe waren sehr mitreißend und forderten alles von den Darstellern.
Yngves Rolle des Kardinals war anders angelegt als man gewohnt ist...weniger arrogante Überheblichkeit, mehr Emotion und Stimmungen in Mimik und Stimme. Er kreierte seinen ganz eigenen Kardinal und dies perfekt...das war auch die einzige gangbare Möglichkeit, nach den beeindruckenden Vorgaben von Ethan Freeman und Uwe Kröger...
Ungewöhnlich und überwältigend die Umsetzung des Songs "Nicht aus Stein", ein stilisierter Scheiterhaufen, an den der Kardinal  im Verlauf dieser Vision festgebunden wurde, dunkle fackeltragende Mönche...die Kostüme der zukünftigen Kriegsopfer, deren rote (blutige) Stoffbahnen den Scheiterhaufen wie Flammen umzüngelten...Yngve verkörperte sehr emotional und authentisch die Seelenqual des Kardinals, der sich mit seinen Ängsten und inneren Konflikten konfrontiert sieht und sich bis zum Schluss der Szene weigert diesen ins Auge zu sehen...ergreifend und bedrohlich...
Sehr sehenswert...gerne hätten wir die Vorstellung ein zweites Mal besucht...

 

Die Letzten fünf Jahre (Original-Titel: The last five Years)
Musik und Text: Jason Robert Brown
Uraufführung: 2001 in Chicago, März 2002 in London
Deutschlandpremiere: 18. Juli 2005 in Wuppertal
Deutsche Übersetzung: Wolfgang Adenberg

Stück über eine Beziehung, die mit einer großen Liebe beginnt und mit Trennung und Einsamkeit endet. Allerdings erzählt jeder der beiden Partner die Geschichte in einer anderen zeitlichen Richtung. Ein einziges Mal treffen sich die Handlungsstränge, bei der Hochzeit der beiden.
14 Songs begleiten die 5 Jahre im Leben von Cathy und Jamie…die beide abwechselnd interpretieren. Wir erleben zu Beginn den Moment, als Cathy den Abschiedsbrief findet und realisiert, dass sie alleine ist…dass der Mensch, auf den sie ihr Leben immer mehr aufgebaut hat, letztendlich resigniert gegangen ist und im gleichen Atemzug fast überrennt uns die überschwengliche Verliebtheit Jamies, der die Göttin seines Lebens gefunden hat…
Wir folgen seinen beruflichen Erfolgen als Autor, seiner wachsenden Popularität, die mit Verpflichtungen zu Auftritten, Lesungen und auch Partys verbunden ist, im Gegenzug der der wachsenden Resignation Cathys, deren Erfolg als Sängerin und Schauspielerin ausbleibt, die von einem Casting zu anderen fährt und immer werden die wirklich guten Rollen an andere vergeben. Wir erleben wie sie ihn und seine Kreativität, seine Art sich in sich zu versenken beim Schreiben zuerst unendlich bewundert und im Licht seines Erfolges ein Stück Wertigkeit für sich sucht. Und wir verstehen sie…aber auch ihn, der darunter leidet, dass sie schweigt, nicht mehr mit ihm zu Partys, Treffen geht…und der verzweifelt versucht sich der eindeutigen Angebote seiner Bewunderinnen zu entziehen…der sich schuldig fühlt für seinen eigenen Erfolg...
Es gab in Deutschland die Premiere mit Patrick Stanke als Jamie und Charlotte Heinke als Cathy. Von dieser Aufführung existiert auch eine sehr gute CD. Wir sahen im Oktober 2011 die Aufführung im kleinen Chemnitzer Kabarett-Keller mit Christian Alexander Müller und Joana Fee Würz als Cathy.
Es ist schwierig einen Standpunkt für oder gegen einen der beiden Personen einzunehmen. Man spürt als Zuschauer voller Mitgefühl wie sich langsam und schleichend eine Entfremdung zwischen den beiden entwickelt. Man ist hin und hergerissen zwischen momentaner extremer Schuldzuweisung, die im nächsten Moment verpufft und dem Wunsch die beiden würden über das reden, was sie wirklich fühlen, ehrlich sein und nicht das Wesentliche verschweigen mit dem Wunsch, der andere möge es trotzdem spüren…
Und jeder Außenstehende sieht so klar wie falsch es ist den anderen für das eigene Leben verantwortlich zu machen.

Fazit: Auch wenn die Fahrt nach Chemnitz sehr lang war, wir haben den Kurztrip nicht bereut…
Ein wirklich ungewöhnliches Stück, das vom Zuschauer ein gewisses Maß an Mitarbeit fordert, jedenfalls möchte ich es so ausdrücken. Der wechselnden Zeitrichtung zu folgen im Wechsel mit den Darstellern gelingt recht gut. Solange bis manchmal zwangsläufig der Partner präsent sein muss als Pendant, um eine Stimmung zu ergänzen...um die Emotionen und Gedanken im Positiven wie im Negativen in der Beziehung noch tiefer fühlbar werden zu lassen. Dies wird dann meist durch einfaches Anwesend-Sein und schweigsame Blicke sehr berührend fühlbar oder durch eine kurze Interaktion…
Ein Stück, das sehr berührt, das schmunzeln lässt, in dem sich sicher jeder von uns irgendwo in vereinzelten Aspekten oder Sehnsüchten wieder finden kann. Wir erlebten zwei sensible Künstler, die sich in die wechselnden Stimmungen fallen ließen, stimmgewaltig und ausdrucksstark...und eine leidenschaftliche, hörenswerte Band.
Sehr empfehlenswert.

 

Die Päpstin
Text und Music: Dennis Martin
Uraufführung: : 3. Juni 2011, Fulda, Schloss-Theater
Buchvorlage: Donna W. Cross

Die Handlung beginnt im Jahre 814 n.Chr.
Das Mädchen Johanna wird als Tochter eines fanatisch christlichen Dorfpfarrers und einer heidnischen Mutter geboren. Einer ihrer Brüder, der an Fieber verstarb lehrte sie Schreiben und Lesen. In einer Zeit in der geistige Fähigkeiten Frauen abgesprochen wurden und die Frau als minderwertig und rechtlos betrachtet wurde, bekommt Johanna die Gelegenheit von Eskulapius ihrem späteren Mentor an der Domschule zu Dorstadt aufgenommen zu werden. Ihrem Bruder weit überlegen und allen Erniedrigungen der männlichen Mitschüler zum trotz reift sie zu einer gebildeten jungen Frau heran. Zwischen ihrem Ziehvater, dem Markgraf und kaiserliche Heerführer Gerold und ihr entwickelt sich eine tiefe Liebe, sind sie sich in ihrem Denken, ihrer Neugierde und Gerechtigkeitsempfinden doch recht ähnlich. Doch Gerold muss mit seinen Truppen in den Krieg ziehen und auch Eskulapius wird nach Rom an die Seite des Papstes beordert. Gerolds Frau nutzt die Zeit um Johanna mit dem Sohn des Hufschmieds zu verheiraten und macht Johanna Glauben Gerold hätte sie betrogen und nie geliebt. Während der Trauungszeremonie fällt eine Horde Normannen in die Kirche ein und metzelt alle Anwesenden nieder. Nur Johanna überlebt versteckt unter dem Altar. In ihr reift der Entschluss Dorstadt zu verlassen.
In ihrer Not entscheidet sie sich zu einem folgenschweren Schritt, kleidet sich in das Gewand ihres toten Bruders und schneidet ihre Haare ab. Von nun an existiert keine Johanna mehr, sie ist „Johannes“. Und dann macht sie sich auf zum Kloster von Fulda. Dort findet sie Aufnahme und verbringt dort Jahre. Sie studiert und übersetzt griechische Schriften, beschäftigt sich mit Philosophie...erwirbt sich Wissen über Kräuter- und Heilkunde. Während die männlichen Novizen auch dort „Johannes“ abweisend behandeln und ihre Studien argwöhnisch betrachten, unterstützt der Abt Rabanus die moderne, kritische Denkweise und fördert sie. Doch leider kommt durch Zufall Johannas Vater nach Fulda, glaubt seinen Sohn wieder gefunden zu haben und muss erkennen, dass er seine Tochter vor sich hat. Hasserfüllt und außer sich vor „heiligem Zorn“ erleidet er (Gott sei Dank) einen Herzanfall und verstirbt. Rabanus sieht das Geschehnis und verbündet sich mit Johanna, schickt sie aber zu ihrer eigenen Sicherheit fort. Johanna flieht nach Rom...und macht sich als Arzt einen Namen. Sie leidet unter ihrem Geheimnis und lebt ständig in der Furcht entlarvt zu werden.
Eskulapius entdeckt sie und gibt ihr den Auftrag, den schon lange dahinsiechenden Papst Sergius zu heilen. Sehr zum Leidwesen von Arsenius und seinem Sohn Anastasius, dem Johanna bekannt vorkommt, da er sie für die Aufnahme in der Domschule geprüft hatte, der aber nicht mehr weiß wo er den jungen Mann schon gesehen hat. Der Kriegszug gegen Rom war gescheitert, da Gerold Kaiser Lothar überzeugen konnte, dieses waghalsige Unterfangen zu unterlassen. Und so sind beide nach Rom zurückgekehrt, allerdings hat Anastasius nun den Rang eines Kardinals inne.
Als sich dann doch Kaiser Lothar durch den Einfluss Anastasius entschließt, gegen Rom zu ziehen, hat Johanna eine Idee. Sie lässt durch eine Seil-Konstruktion von Geisterhand auf ein Klatschen des Papstes die großen Tore des Lateranpalastes öffnen und schließen. Der Soldaten werfen sich nieder ob dieses Wunders und so muss Lothar Sergius anerkennen. Gerold erkennt die Konstruktion wieder und ist glücklich und gleichsam entsetzt seine Geliebte in dieser Verkleidung wieder zu finden. Beide lassen ihre Liebe neu beginnen...
In Rom regiert auch noch eine andere Macht...Marioza, eine Kurtisane und Inhaberin eines Bordells, die in ihren heiligen Hallen beim Liebesspiel mit den hohen Herren der Politik ihre Fäden zieht. Während Johanna sich als Ratgeber des Papstes große Sympathie beim Volk erwirbt und als Arzt immer beliebter wird, plant man sie raffiniert auszuschalten. Gleichzeitig lässt Arsenius den Papst durch seinen Mundschenk vergiften. Marioza ruft Johanna zu sich und bringt sie vor Zeugen in eine diffamierende Situation. Johanna wird ergriffen und in den Kerker gesperrt.
Während sie sich ihres ausweglosen und schmerzvollen Lebens ohne wirkliches Glück und Geborgenheit bewusst wird, wählt die Kurie sie zum neuen Papst. Hin und her gerissen, zuerst völlig aus der Balance erkennt sie für sich diesen Weg als ihre Bestimmung und ist bereit für ein höheres Ziel ihre Liebe zu opfern. Gerold ist verzweifelt, aber bereit weiter ihre Liebe im Geheimen zu leben.
Die Lage spitzt sich zu, als Johanna erkennt, dass sie schwanger ist...wissend, dass sie dies nicht mehr lange verbergen kann will sie mit Gerold nach der Osterprozession fliehen. Doch die Schwangerschaft scheint ihre Gesundheit anzugreifen, sie wirkt schwach und erschöpft bei der Prozession. Anastasius will den Papstthron an diesem Tag mit Gewalt an sich reißen. Er lässt Gerold auf offener Straße ermorden. Johanna, die diese Tat mit ansehen muss, bricht zusammen und erleidet eine Fehlgeburt. Dem Tode geweiht gibt sie ihre wahre Identität allen Anwesenden preis. Nun endlich fühlt sie sich frei...Eskulapius, der auch gleichzeitig die Rolle des Kommentators inne hat, gibt in sanften Worten weiter, dass Johanna nicht verurteilt wird, sondern ihre Persönlichkeit und ihre Werke immer im Gedächtnis des Volkes bleiben und sie anerkannt und geliebt wird.

Ich möchte mich fast für die lange Ausführung entschuldigen, aber selbst hier habe ich auf Einzelheiten verzichtet, die mir persönlich wichtig sind. Die beiden Raben als Götterboten der heidnischen Welt, die als Beschützer in Notsituationen immer anwesend waren, ebenso wie die heilige Katharina, eine Frau, die ihrer Zeit voraus war, da sie Bildung und Heilkünste besaß.
Die Geschichte des Musicals zeigt einen Balanceakt, den so manche Frau in der Geschichte leben musste...wieviele Forscherinnen und Künstlerinnen haben unter männlichen Pseudonym ihre Werke veröffentlichen müssen...konnten nur insgeheim ihre Fähigkeiten entfalten. Es ist sicherlich immer eine Geschichte von innerem und äußerem Kampf, Einsamkeit und Verzicht...
Das Musical lebt durch ergreifende, wunderbare Balladen, durch gegensätzliche Charaktere und deren Konfrontation. Es hat Spannung und es hat Soli und Duette, die zutiefst berühren.
In Fulda sahen wir eine Cast, die ausnahmslos mit Leidenschaft spielte und sang. Eine grandiose Sabrina Weckerlin als Johanna, einen leidenschaftlichen Mathias Edenborn als Gerold und einen abstoßend arroganten und machtbesessenen Anastasius von Niklas-Philipp Gertl verkörpert.
Dazu ein imposantes, wandlungsfähiges und äußerst stimmungsvolles Bühnenbild, das man sicher besser nicht hätte konstruieren und entwerfen können. Christoph Weyers, der auch die Bühnengestaltung in Magdeburg zu „Die Schöne und das Biest“ übernommen hatte ist in dem Bereich sicher ein Name, den man sich merken sollte.
Es ist sicher schwierig die umfassende Handlung, die inneren Vorgänge und den historischen Hintergrund in ein knapp 3-stündiges Musical zu packen, von daher wurden im 2. Akt einige größere Zeitsprünge untergebracht...ob man dies besser hätte lösen können, sei dahingestellt.
Das einzige, was ich als Kritik anbringen kann sind die Ensemble-Nummern. Sie waren zu sehr im Kontrast zu den anderen Szenen und wurden dem Ernst des Stückes und der Thematik nicht gerecht. Mich persönlich erinnerten sie in ihrer Choreographie persönlich eher an Revue-Nummern. Insgesamt wurde man aus der Grundstimmung völlig herausgelöst und benötigte einige Zeit um wieder einzutauchen in den Schmerz und die Einsamkeit von Johannas Schicksal. Vielleicht hätte eine andere Beleuchtung dort etwas bewirken können.
Aus diesem Grund habe ich dieses Musical nicht unter meiner Kategorie „Drama-Musicals“ aufgeführt. So intensiv und ergreifend dieses Stück auch ist, es ist für mich insgesamt nicht in Augenhöhe mit „Les Miserables“, „Marie-Antoinette“, „Miss Saigon“ etc. zu sehen. Aber es ist trotzdem beeindruckend und sehenswert.
Aufgrund des großen Erfolgs ist es dieses Jahr vom 6. Juli bis 12. August erneut in Fulda zu sehen sein (Sabrina Weckerlin verkörpert erneut die Hauptrolle) und wird danach vom 18. August bis 16. September in Hameln aufgeführt. Wir freuen uns  Fulda wieder zu besuchen...

 

High Fidelity
Abschlussprojekt der 4. Klasse 2010 der Folkwang Universität der Künste in Essen.
Nach einem Roman von Nick Hornby, Deutsche Erstaufführung.
Da dieser Roman bzw. die Filmkomödie bzw. Musical Inszenierung (Uraufführung am Broadway 2006) sicherlich weniger bekannt ist, füge ich hier die Kurzbeschreibung des Inhalts aus dem Programm ein:
"Rob ist um die dreißig, Betreiber eines schlecht laufenden Plattenladens – und gerade von seiner Freundin Laura verlassen worden.
Endlich kann er seine Plattensammlung neu sortieren. Aber was kommt danach? Mit einer Auswahl seelentröstender Songs resümiert er über die Top 5 seiner schmerzhaftesten Trennungen und gerät darüber in eine Sinnkrise. Seine Lebensumstände, sein wenig abwechslungsreicher Alltag im Plattenladen mit nervenden Kunden, seine anstrengenden Mitarbeiter und Freunde, der stille Kassierer Dick und der cholerische Barry – all dies erscheint ihm sinnlos und überflüssig. Einzig die Bekanntschaft zu der Songwriterin Marie LaSalle ist ihm ein kleiner Lichtblick.
Um die Ursachen seines Unglücks zu ergründen, entschließt sich Rob, nach Jahren seine Ex-Freundinnen wieder aufzusuchen. Schließlich muss er sich der Frage stellen, ob es nicht an der Zeit ist, endlich erwachsen zu werden."

Dieses Musical wurde im Juni 2010 in einer vom Publikum und Medien hochgelobten Inszenierung auf die Bühne des Essener Rathaus-Theaters gebracht. Eine Empfehlung machte mich darauf aufmerksam und die Informationen auf der Theaterseite machte nicht nur mich neugierig.
Wir besuchten zu viert die Aufführung ohne den genauen Inhalt zu kennen und der Eindruck war übereinstimmend. Eine mitreißende, witzige, einfühlsame und ideenreiche Inszenierung.
Die jungen Nachwuchskünstler waren mit immenser Spielfreude dabei und überzeugten ausnahmslos mit schauspielerischem und stimmlichem Können. David Jakobs beeindruckte in der Hauptrolle des Plattenladenbesitzers Rob. Er überzeugte im Dialog mit den Zuschauern und ließ den Funken schon in den ersten Minuten überspringen…das Publikum folgte willig seinen ambivalenten, schwankenden Gefühlen, seiner Selbstanalyse und den amüsanten Kurzschlusshandlungen…
Ebenso authentisch spielten Andreas Schneider als cholerischer Barry und Andreas Bongartz als depressiver, schüchterner Dick zwei wunderbar gegensätzliche miteinander agierende Charaktere.
Sascha Kurth übernahm die Rolle des Seelentrösters und neuen Lovers Ian als ein perfektes Klischee, die Verkörperung sämtlicher Vorurteile die über New Age und Esoterik je existiert haben.
Bei den Frauen war Stefanie Köhm herauszuheben als Robs (Ex-)Freundin Laura, auch sie war in ihrer Rolle und überzeugte völlig durch sensiblen Ausdruck und kraftvoller Stimme, wie auch ihre Kollegin Marissa Möller als teilweise sehr resolute und unangenehm ehrliche Liz, eine Freundin der Entzweiten…Auch die Nebendarsteller wurden mit Liebe in Szene gesetzt und unterstützten die Handlung mit ihrer guten Darstellung.
Die Umsetzung der Szenen gelang mit recht einfachen aber sehr wirkungsvollen Mitteln (z. B. ständiger Wechsel zwischen Robs Wohnung und dem Plattenladen), eine Herausforderung dabei waren zweifellos die immer wieder eingeschobenen gespielten Szenen der Vergangenheit, Erinnerungen, sowie Robs Tagträume…perfekt. Ein spezielles Highlight war sicherlich die Szene, in der Ian Rob im Plattenladen aufsucht und ihm in sanfter und zwischen den Zeilen herablassender Weise erklärt, wie Rob sich als respektvoller Verlassener zu verhalten hätte, sprich die zig Anrufe und SMS unterlassen etc.
frei nach dem Motto..."Schön, dass wir drüber gesprochen haben..."
Die Gefühle Robs, die in dieser Szene (verständlich für alle Anwesenden) eher als Mordlust zu bezeichnen sind denn als Annahme, äußern sich in gespielten Phantasien, in denen er mit Hilfe seiner beiden Mitarbeiter verschiedene Stilrichtungen der Tötung Ians durchführt.
Immer wieder wird an den Anfang der Szene zurückgespult um eine andere Variante durchzuziehen, ob in James Bond Manier, ob als gewaltbereite Rapper...niemand im Publikum entkommt diesem starken Angriff auf das Zwerchfell...
Auch wenn die gesamten Szenen in Verbindung mit der spritzigen, pointierten und feinfühligen Übersetzung des Musicals den Touch einer Comedy hatten und zu Bauchmuskelkater im Publikum führten, so war gleichzeitig immer Mitgefühl und Anteilnahme an den Geschehnissen zu spüren…Beispielsweise war bei Robs Solo im Anschluss an die Beerdigung von Lauras Vater (in welchem er das erste Mal wirklich Verantwortung zeigt, sehr ehrlich und ernst seine Gedanken und Gefühle beschreibt) kein Atemzug im Publikum zu hören, das Sekunden vorher noch von Lachen geschüttelt war. So muss es sein. Alles in allem ist es sehr schade, dass diese Inszenierung mit eben diesen Jungdarstellern eine so kurze Spielzeit hatte. In dieser Qualität wäre es durchaus möglich in unterschiedlichen Städten in kleineren Theatern aufzutreten. Wobei der Eintritt ohne Probleme ein ganzes Stück erhöht werden könnte.
Dementsprechend fanden die Standing Ovations im Anschluss kein Ende….zurecht...

 

Tarzan
Musik und Text: Phil Collins
Uraufführung: 10. Mai 2006 New York, Broadway
Deutschlandpremiere: 19. Oktober 2008 Hamburg, Neue Flora - Theater

Das Musical basiert auf dem Roman „Tarzan of the Apes“ von Edgar Rice Burroughs bzw. dem Disney-Zeichentrickfilm. Edgar Burroughs schrieb zahlreiche Fortsetzungen zu seinem Erstlingswerk
Ich habe die Vorstellung mit meinem Mann zweimal besucht mit jeweils unterschiedlicher Cast und einem starken Qualitätsunterschied…aber dazu später.

Tarzan ist ein Musical, das zwei sich ergänzende Komponenten hat.
Zum einen die Choreographie…An "Lianen" vollzogen die Darsteller der Gorilla-Sippe fast durchgehend akrobatische Turnübungen, über den Köpfen des Publikums schwingend bis zur Bühne. In dieser Kombination aus Sport, Ausdruck und Gesang war eine starke Ausdauer und körperliche Fitness unabdingbar. Eine herausragende Leistung ist in der Rolle des "Terk", dem besten Freund Tarzans, gefordert. Er ist ein Sympathieträger des Stücks, überaus quirlig, lässt Tarzan teilhaben an seinem großen Wissen, wie die Welt funktioniert, oder an wunderbaren philosophischen Ergüssen. Der Darsteller ist so gut wie ununterbrochen in Bewegung im Wechsel zwischen Bühne und Theaterraum, hat währenddessen kraftvolle Passagen zu singen und sehr viel Interaktion mit Tarzan. "Rommel Singson", den wir beide Male erleben konnte, erfüllte diesen Charakter mit Leben, mit einer Energie, die ans Übermenschliche grenzte.
In ihren Bewegungsabläufen war die gesamte Sippe sehr authentisch, sowohl in der Luft als auch am Boden, wobei zu den Proben auch Besuche im Zoo und direkte Studien durch intensive Beobachtung gehören. Alle Künstler waren mit immenser Spielfreude und Leidenschaft dabei.

Der zweite Aspekt des Musicals ist natürlich die Handlung. Diese hat im zweiten Akt ein ganzes Stück mehr Raum, was dem Stück auch gut bekommt:
Die Persönlichkeitsentwicklung Tarzans, der innere Konflikt, das intuitive Erfühlen der Wahrheit und die entstehende Liebe zwischen Jane und ihm…und auch der Drang mehr über die Menschen zu lernen, der dramatische Tod von Kershak, dem Silberrücken…die Entscheidung…

Das Zusammenspiel dieser zwei Seiten führten zu einem aktionsreichen Musical, dass aufgrund seiner Musik und seiner Power mitreißt und gleichzeitig das Herz öffnet und uns in eine andere Welt zieht. Wir können uns fallen lassen in intensive Emotionen in einer dezenten, unauffälligen Kulisse, die die Personen in den Mittelpunkt rückt.
Die Hauptcharaktere des Stückes sollten sensibel besetzt werden. Der Silberrücken Kershak ist einer der Rollen, mit denen das Stück steht und fällt. Um den bis zu seinem Tod andauernden Konflikt zwischen Tarzan und ihm (und dadurch auch zu Kala, seiner Gefährtin) fühlbar werden zu lassen, ist ein Darsteller ideal, der von sich aus schon eine kantigere Gesichtsform hat und nicht schmal ist. "Andreas Lichtenberger" erfüllte diese Kriterien mit Bravour. Seine Autorität, Entschlossenheit und auch Sturheit als Beschützer der Gruppe im Wechsel mit seiner versteckten Sanftheit und Zärtlichkeit war ergreifend. Es störte nicht im geringsten, dass das Gorillagebrüll aus der Retorte kam.
Kala, die Gefährtin, ist eine sehr mütterliche Figur, eine liebende "Frau", die Tarzan nach dem Verlust des eigenen Babys annimmt und sich mit ihm von der Gruppe zurückzieht, als Kershak die Entscheidung trifft den kleinen Jungen auszusetzen. Auch hier ist die durchaus ambivalente, aber harte Entscheidung Kershaks als Kontrast zu Kala wichtig die Spannung aufrecht zu erhalten und im Zuschauer einen Beschützerinstinkt zu wecken.
Die Rolle der Jane wurde komödiantisch angelegt, naiv und auf eine wunderbare Weise überzogen…z. B. in ihrer unermesslichen Freude ihre botanischen Kenntnisse in der Natur real verkörpert zu sehen.
In dieser Szene werden die überdimensionalen, sich öffnenden und schließenden Blüten, Raupen, exotische Falter von Menschen dargestellt….ein farbenfroher, schöner Schmetterling schwebt über dem Publikum.
Es ist ein ideenreich umgesetztes Farben- und Formenspiel, das den Zuschauer in das Erstaunen eines Kindes versetzt…
Ich denke, es wird zwei Arten von Zuschauern geben, die einen die diese Szene für abgrundtief kitschig und albern halten, die anderen die sich verzaubern lassen und von Janes Faszination mitgerissen werden. Die erste Begegnung der beiden, die ängstliche, verschämte Annäherung ihrerseits, seine übertriebene Kopie ihrer Worte…wunderbar…
Die Rettung vor der riesigen Plüschspinne…gewöhnungsbedürftig, aber herrlich durch ihre Panik und dezenten, unwirksamen Fluchtversuche und Selbstgespräche…
Elisabeth Lübbert verkörperte Jane perfekt…sie hatte die Lacher auf ihrer Seite und sicherlich 80 % des weiblichen Publikums teilten ihre Gefühle. Wenn man ehrlich ist, so findet man sich in vielen Aspekten von ihr wieder. Ich höre noch die Stimme in mir, die immer wieder schmunzelt und raunt "Das könnte ich sein".
Tarzan…bei ihm ist wichtig, dass ein starker Kontrast zwischen dem Kind und dem älteren Tarzan erkennbar ist. Das hört sich selbstverständlich an, ist aber auf der Bühne nicht grundsätzlich so, wie wir erleben konnten. Kurze Erklärung: Wir sahen bei unserem ersten Besuch einen hervorragenden David J. Boyd als Zweitbesetzung in der Rolle des Tarzan. Die Rolle des Kindes Tarzan spielte an dem Abend ein recht kleiner Junge, der in seiner Unschuld und Quirligkeit sehr authentisch war und uns berührte…Beim Übergang befindet sich der Junge im hinteren Teil der Bühne und verlässt diese nach hinten durch die Vegetation, während von vorne über das Publikum der ältere Tarzan heran schwingt und auf die Bühne läuft, die Position übernimmt. Der Größenunterschied war auffällig und der Stimmungswechsel perfekt. Wobei David Boyd über eine sehr angenehme warme Stimmfarbe verfügt und sehr ansehnlich ist (lächel).
Diesen optischen Eindruck hatte man bei Anton Zetterholm nicht, den wir bei der zweiten Vorstellung sahen.
Ein unglaubwürdiger, zu weicher Kershak (Peter Stassen) verhinderte schon zu Beginn einen Spannungsaufbau und als ich beim Wechsel zwischen beiden Tarzandarstellern kurz nicht hinschaute, habe ich erst auf den zweiten Blick erkannt, dass überhaupt ein Wechsel stattgefunden hatte…der Junge war zu groß und zu selbstständig….und so leid es mir tut, Anton wirkte als Tarzan sehr dünn trotz des immensen Trainings.
Zudem muss der Darsteller eine sehr intensive feine Mimik haben, da sich die gesamte Persönlichkeitsentwicklung zum weitaus größten Teil in den Augen, der Mimik abspielt (die tiefen Gefühle, der Weg zur Selbstfindung, die Neugierde und die Entscheidung sowie die wachsende Liebe und grenzenlose Wut/Trauer in der dramatischen Szene um Kershaks Tod) …
Da ist natürlich die Gefahr, dass sich eine gewisse Routine einschleicht und dieses Gefühl hatte man bei Anton, der sehr ausdruckslos war. Vielleicht eine Tagesverfassung, was zu hoffen wäre. Das unterscheidet dann den Profi von einem jungen Nachwuchskünstler…Zudem war seine Perücke zu groß, sodass,wenn er im Profil zu sehen war (und das war er meist), die Haarsträhnen das Gesicht verdeckten.

Die Essenz des ganzen Abends…ich bin immer noch begeistert, obwohl ich mit Skepsis nach Hamburg gefahren bin: Sehr viel Emotion und Aktion, Gänshautfeeling, ich hatte sehr oft Tränen in den Augen und der Bereich des Herzchakras wurde sehr weit…starke Anspannung bei den Interaktionen von Tarzan mit Clayton, dem Tierfänger…wunderbare amüsante Dialoge und komödiantische Passagen…
Ein Genuss.  

 

Wicked - die Hexen von Oz
Musik,Texte: Stephen Schwartz
Uraufführung: 2003 New York Broadway und San Francisco
Deutsche Uraufführung: 15. November 2007 Stuttgart, Palladium Theater
Deutsche Taxte: Michael Kunze, Ruth Deny

Die Romanvorlage für das Stück war "Wicked - The Life and Times of the Wicked Witch of the West" von Gregory Maguire. Ein Roman, der nicht als Kinderbuch gedacht war sondern sich an den erwachsenen Leser richtet.
Er liegt mit seiner Handlung zeitlich ein ganzes Stück vor dem bekannten "The Wizard of Oz", jene Geschichte, in dem es Dorothy durch einen Wirbelsturm in das geheimnisvolle Land OZ verschlägt...vielleicht erinnern sie sich noch an ihre Freunde den feigen Löwen, den Zinnmann ohne Herz und die Vogelscheuche, die so gerne Verstand hätte...und an die böse Hexe des Westens...
Wir erfahren alles über die anfängliche Feindschaft und das Zusammenwachsen in tiefer Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Hexen... Elphaba gerechtigkeitsliebend, kämpferisch, die aufgrund ihrer grünen Hautfarbe diskriminiert wird und Glinda, blond, verwöhnt, zickig, selbstverliebt...
Wir folgen ihrer dramatischen Geschichte, der Befreiung des Landes Oz von dem intriganten Zauberer, der Betrug und Manipulation ausübt um seine Macht zu sichern...
Eine Geschichte über Liebe, Freiheitskampf, falsche Werte und Toleranz, die beide Persönlichkeiten sehr verändert und sie erwachsen werden lässt...
Wir erleben ebenso, wie aus dem ignoranten, arroganten Egomanen und Gigolo Fiyero ein verantwortungsvoller, zu ehrlichen Gefühlen fähiger und entschlossener Kämpfer wird...
All dies führt uns dahin wo die Geschichte "The Wizard of Oz" (Der Zauberer von Oz) beginnt.
Wir begreifen woher der Löwe kommt, warum der Zinnmann kein Herz hat...
Wir erkennen in ihnen die Ergebnisse einer Macht, die nicht zerstören sondern retten wollte...
Beeindruckend die beiden weiblichen Hauptrollen Elphaba und Glinda. Lucy Scherer und Joana Fee Würz leisteten ganze Arbeit als Glinda. Ihre Rolle ist höchst anspruchsvoll, obwohl sie Leichtigkeit ausstrahlt. Die sich überschlagende Stimme, das schrille Quieken, wenn sie ihren Willen nicht bekommt, ihr gekünsteltes, narzisstisches Verhalten und ihr Gut-sein-Image, gleichzeitig die innere Wandlung, Zweifel, Schuldgefühle...ihre Eifersucht und Enttäuschung, als sich Fiyero immer mehr von ihr zurückzieht
...unnachahmlich...brillant...
Roberta Valentini und Willemijn Verkaik...als Elphaba unschlagbar...ihre anfängliche Schüchternheit, ihre Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe, dann ihre Entschlossenheit, ihre Kraft, ihre Magie...
überwältigend...
Fiyero...aus dieser kleineren Rolle kann man mit Sicherheit sehr viel herausarbeiten. Mark Seibert habe ich leider nicht genießen dürfen, ich befürchte, es ist mir da ein Erlebnis entgangen. Mathias Edenborn war als ich ihn zum ersten Mal erlebte schon in keiner Weise ausdrucksstark...
Im Juli 2010 in Oberhausen musste ich feststellen, dass sich nichts geändert hatte. Er spielte und sang annähernd ohne Leidenschaft, seine Mimik war dezent und seine Tanzeinlagen angespannt und nicht rollenkonform locker und lebenslustig...
Die romantischste Szene, in der die beiden Liebenden sich ihre Gefühle gestehen und vielleicht nur eine Nacht haben, bevor sie gefangen werden...eine Szene in der man als Zuschauer in intensive Emotionen eintauchen will, waren keine großen Gefühle zu spüren. Leider reicht es nicht, nur ein wenig Stimme zu haben...

Die Essenz ist jedoch, auf die weibliche Besetzung kommt es an und so kann ich nur sagen, lassen sie sich entführen in eine andere Welt...genießen sie den Zauber der grünen Smaragdstadt, lassen sie sich mitreißen als Kämpfer für eine gerechte Sache und stellen sie einmal mehr fest, manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie äußerlich erscheinen...


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Galas

Aspects of Webber
Veranstalter: Andreas Luketa Sound of Music
Ort: Ebertbad in Oberhausen, Grillo-Theater Essen
Interpreten: Kristin Hölck, Annika Bruhns, Paul Kribbe, Andreas Bieber, Christian Alexander Müller...
Das Thema ist sehr umfassend und wir gingen 2008 mit sehr großer Vorfreude in diese Gala ins Ebertbad. Andrew Lloyd Webber ist für mich ein großartiger Komponist, er hat einige Musicals komponiert, die ich zu meinen Favoriten zähle und andere, deren Songs ich mir durchaus zwischendurch einmal gerne anhöre...
Obwohl die Stimmen in der Presse und im Publikum begeistert waren und diese Gala zum Repertoire der SOM Konzerte gehört und stets schnell ausverkauft ist, waren wir enttäuscht. In diesen ca. 3 Stunden annähernd alle Musicals mit 2-3 Songs durchzuhecheln, war zuviel. Man hatte definitiv keine Zeit sich emotional auf ein Thema einzulassen, da musste man wieder umswitchen. Keine Chance. Dazu reihten sich leichte und anspruchsvolle Musicals ohne roten Faden aneinander...
Zu den Künstlern...die weiblichen Darsteller wie Kristin und Annika waren phantastisch. Sie waren die Lichtblicke an diesem Abend. Die Herren der Schöpfung blieben im schauspielerischen Ausdruck extrem blass. Wobei Christian Alexander Müller Rollen zu interpretieren hatte, die ihm liegen (Phantom der Oper, Magaldi aus Evita...). Theatralische Gesten hat er in der Rolle des Phantoms verinnerlicht.
"Gethsemane" aus Jesus Christ Superstar...einer der schwierigsten Songs überhaupt, in dem der Künstler seine innersten Emotionen nach außen kehren muss um ihn authentisch darzustellen, den konnte man keinem der Herren zutrauen...
Und so ging Christian auch völlig unter bei seinem Versuch...es gab keinen steigenden Spannungsbogen, die sehr stark wechselnden Emotionen von Jesus wurden nicht erkennbar gemacht und zu allem Ärger wurde der Song auf deutsch gesungen. Mir fällt auf Anhieb kein Titel ein, der schlechter und zwanghafter übersetzt wurde und ich kenne viele Texte...es war schlicht grauenvoll.
Paul Kribbe hatte ab und zu einen leichten Ansatz von Ausdruck, zeigte aber kaum den Song unterstützende Mimik und Gestik...
Andreas Bieber...hm...seine Stimme ist sehr angenehm und er schaffte es ein wenig, Atmosphäre zu erzeugen, aber auch da wäre, denke ich, einiges mehr zu machen gewesen...
Fazit: Vielleicht war es Tagesform, vielleicht hatten wir den falschen Winkel von oben...aber da hatte ich im Ebertbad schon anderes erlebt...
Zur Zeit bin ich jedoch nicht bereit diese Gala nochmals zu besuchen...

 

Ich gehör nur mir - die Musicals von Kunze und Levay -
Veranstalter: Andreas Luketa Sound of Music
Ort: Ebertbad in Oberhausen, Grillo-Theater Essen
Interpreten: Jan Ammann, Kristin Hölck, Ethan Freeman, Sabrina Weckerlin, Patrick Stanke
Absolventen der Folkwang Universität Essen: Sascha Kurth und Annika Firley
Chor: Ruhr-Pottpouri Ensemble
Die Musicals von Michael Kunze und Sylvester Levay sind für mich einzigartig. Meist nehmen sie das Leben einer historischen Person als Grundlage für ihre Musicals. Die Einzelheiten und Daten sind genau recherchiert und sensibel in Texten, Szenen und Musik umgesetzt. Ihre Musik brennt sich ins Gedächtnis und ist in Stimmung und Spannungsbogen wunderbar den Szenen angepasst.

Zur Einleitung wurden hier einige Worte über die Produktionen von Michael Kunze und Sylvester Levay aus dem Off gesprochen. Dies war eine wunderbare Einstimmung auf das, was in den folgenden Akten gespielt werden sollte.
In beiden Hauptmusicals (Elisabeth und Mozart) wurden die Handlungsstränge durch Zwischentexte von Annika Firley und Sascha Kurth begleitet.
Diese waren geprägt von sehr einfühlsamen und bewegenden Einblicken in die Psyche und inneren Vorgänge der Personen und ihrer Auseinandersetzung mit den politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der jeweiligen Zeit. Zitate aus Gedichten und Briefen Elisabeths und Mozarts Briefwechsel wurden feinfühlig vorgetragen und integriert und der Zuschauer in die Geschichte hineingezogen. Auch die, die völlig unwissend (was die Musicals und die Lebensgeschichte der Personen angeht) waren, konnten sich in die Stimmungen fallen lassen und der Handlung folgen…
Der Text, den Andreas Luketa zusammengefügt hat, ist ein Denkmal für die Sensibilität und das Feingefühl dieses Mannes, der ja auch in erster Linie Geschäftsmann ist und seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Ich habe davor Hochachtung und es macht ihn einmal mehr zu einem sympathischen, liebenswerten Menschen...
Die einzelnen Szenen, Songs wurden einfühlsam von den Darstellern umgesetzt. Und das mit einer Intensität, die mir…und nicht nur mir, teilweise den Atem raubte...
Der erste Akt war Elisabeth gewidmet und einem Medley aus Rebecca, der zweite Akt Mozart und einigen Songs aus Marie Antoinette.
Eine Gala, die sich in jedem Falle lohnt und an sich selbst und die Künstler einen hohen Anspruch stellt. Inzwischen haben wir sie 3 Mal besucht und waren immer aufs Neue eingefangen...Perfekt.

 

Sommernacht des Musicals
Immer wieder lohnt sich der Besuch des alljährlich seit 1998 stattfindenden „Fantastival“ im Freilichttheater Dinslaken. Kultcharakter hat inzwischen die „Sommernacht des Musicals“.
6 Musicaldarsteller (3 Damen, 3 Herren) gestalten einen knapp 3-stündigen Marathon. Und es ist für die meisten eine Ehre in dieser lockeren Atmosphäre auftreten zu dürfen, so liest man immer bekannte, hochkarätige Namen. Für 2010 hatten sich Patrick Stanke, Uwe Kröger, Lucy Scherer, Sabrina Weckerlin, Ana Milva Gomez und Serkan Kaya angesagt.
Man moderiert sich gegenseitig an, vergisst schon mal den Text, scherzt und albert miteinander…es ist eine herrliche Veranstaltung, die zeigt dass auch die Personen auf der Bühne „nur“ Menschen sind…allerdings bedeutet es trotzdem, dass die einzelnen Titel in der Regel mit guter Choreographie und glaubwürdig interpretiert werden...
Die Moderation übernimmt zumeist der Veranstalter Thomas Bauchrowitz mit einer sehr sympathischen, humorvollen, gewinnenden Art…und als „Vorgruppe“ treten meist Nachwuchskünstler auf, die in umliegenden Theatern eigene Stücke aufführen und geben eine Kostprobe…
Da die Sitzplätze nicht überdacht sind, sollte man regenfeste Kleidung dabei haben, denn Schirme sind während der Gala zurecht verboten. 2010 war dieses Event einmal mehr phantastisch...sogar Uwe Kröger, der von seiner Art her eigentlich nicht hierher passte (man war skeptisch),..fügte sich ein und alberte mit den Kollegen...
Ein Genuss...man sollte es mal erlebt haben. Und wir hatten Glück. Einen Tag später und es hätte aus Kübeln gegossen. Sobald der Vorverkauf beginnt ist denn auch Eile angesagt, da die guten Tickets sehr schnell ausverkauft sind. 2011 waren Ethan Freeman, Serkan Kaya, Patrick Stanke und Sabrina Weckerlin, Pia Douwes und Willemijn Verkaijk auf der Freilichtbühne zu Gast...
Nun haben wir 2012 und es nähert sich die Sommernacht XIV. Diesmal werden Serkan Kaya, Christian Alexander Müller, Patrick Stanke sowie Roberta Valentini, Sabrina Weckerlin und Patricia Meeden dabei sein. Das klingt einmal wieder nach einer interessanten Kombination.

 

Konzert der Musical-Tenors
Die Formation Musical-Tenors wurde von Andreas Luketa (Sound of Music) ins Leben gerufen und besteht aus vier gutaussehenden, ausdrucksstarken und stimmgewaltigen Herren, die zu der Creme-de-la-Creme der hiesigen Musical-Szene gehören: Christian Alexander Müller, Jan Ammann, Mark Seibert und Patrick Stanke.
Das erste Konzert fand am 30. Oktober 2010 im Ebertbad (Oberhausen) statt.
Es folgten insgesamt weitere 7 Konzerte in Essen Oberhausen, Stuttgart, Wien…
Ich hatte die Ehre die Premiere erleben zu dürfen und kann ihnen diese Konzerte nur ans Herz legen. Gefüllt wird der Abend mit einer Mischung sehr unterschiedlicher Songs. Es wechseln sich ergreifende, emotionale Songs mit rhythmisch betonten oder kraftvollen Stücken ab. Der größte Teil des Abends dreht sich natürlich um den Bereich Musicals, in dem die Herren zuhause sind. Dort werden Blocks einzelner Musicals gebildet. Ergänzend wurden z. B. bekannte Songs aus dem Rock/Pop-Bereich eingefügt. Paul Kribbe gestaltete eine Choreographie bzw. die Interaktion im Einklang mit den Stimmungen der einzelnen Themen, die für die Künstler teilweise zuerst ungewohnt schien und erst mit der Zeit etwas gelöster umgesetzt wurde. Genau diese Natürlichkeit der doch so unterschiedlichen Persönlichkeiten machte den Abend noch mehr zu einem Genuss. Viele Stücke wurden von allen vieren gemeinsam interpretiert. Dazwischen gab es verteilt Soli der einzelnen Künstler. Überwältigend in der Harmonie waren Arrangements bei denen die Stimmen übereinander gelegt wurden. Die wunderschöne Ballade „No more words“ sowie „Closer to Heaven“ aus Gaudi bekamen eine völlig neue Klangform, die unter die Haut ging. Es war berührend und tief entspannend zugleich. Sehr intensiv waren natürlich die Stücke, mit denen ein Künstler innerlich tief verwachsen ist und in die er bei seiner Interpretation vollständig eintaucht. Ich persönlich habe die Momente sehr genossen in denen der letzte Ton verklungen war und ein ganz kurzer Moment ergriffene, vollkommene Stille herrschte. Das sind die einzigartigen Momente, die man nicht beschreiben kann.
Gleichzeitig zeigten die Herren sehr viel Humor im Umgang miteinander und waren sich nicht zu schade auch Choreographien in Verkleidung darzubieten, die zu Lachflashs im Publikum führten. Wer sagt, dass Tenöre immer seriös und ernst sein müssen.
Weibliche Unterstützung war durch die Flamenco-Tänzerin Ana Maria Escoz Corbacho gegeben, die von den Tenören zu dem Song „Maria“ aus der West Side Story angebetet wurde. Am Premierenabend war Carin Filipčić als Überraschungsgast dabei. Eine sehr sympathische, einfühlsame Künstlerin.
Alles in allem war die Stimmung dieses außergewöhnlichen Abends sehr warmherzig und offen, die Künstler sehr natürlich und mit Leidenschaft und Freude bei der Sache.
Ein Genuss…
Seit Herbst 2011 sind die vier "Jungs" mit einem leicht veränderten Programm unterwegs...es stehen für dieses Jahr noch 2 Konzerte aus und zur Zeit sind die Vorstellungen ausverkauft...Zu schade, denn auch das "neue" Programm ist wieder einzigartig und die zahlreichen Konzerte haben eine gewisse Routine gebracht, die sich sehr positiv in einem sehr entspannten, vertrauten und humorvollen Umgang untereinander und auch mit dem Publikum äußert. Achja...und 2011 kam die erste Cd der Tenöre auf den Markt, eine recht vielseitige Mischung, die berührt, mitreißt und teilweise ein amüsantes Schmunzeln erzeugt...einige Titel werden mehrsprachig gesungen, was einen besonderen Reiz ausmacht. Mein persönlicher absoluter Favorit ist eine Hymne an die Musik "Vivo per Lei", bekannt in der Fassung gesungen von Andrea Bocelli (feat. Judy Weiss).

 

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